Faymann weiter unter Dauerbeschuss:
Ex-Landeschef ortet "stereotypes Grinsen"
- "Herz, Hirn & Gesprächsfähigkeit der Partei in Gefahr"
- Kritik auch an einer "lethargischen Führungsschicht"
Bundeskanzler sieht die SPÖ trotzdem "geschlossen"

Die parteiinterne Kritik an SPÖ-Chef und Bundeskanzler Werner Faymann reißt nicht ab. Die Stimme ist diesmal zwar nicht so gewichtig, der Wortlaut dafür umso schärfer. Der frühere Salzburger SPÖ-Landesparteichef Wolfgang Radlegger kritisierte eine "lethargische Funktionärsschicht" der Partei, Faymann attestierte er ein "stereotypes Grinsen". Die Partei sei zudem dabei, "ihr Herz, ihr Hirn und ihre Gesprächsfähigkeit zu verlieren. Es wird alles sehr technokratisch in der SPÖ."
Der Angegriffene selbst sorgt sich allerdings nicht um den Zusammenhalt in der Partei: "Die SPÖ ist geschlossen", beteuerte er beim Pressefoyer nach dem Ministerrat. Gemeinsam mit Vizekanzler Josef Pröll pries er außerdem die Regierungsarbeit ein Jahr nach der Nationalratswahl. Dass der oberösterreichische SP-Chef Erich Haider sein Amt behält, findet Faymann in Ordnung. "Er vertraut in die Maßnahmen, die nun gesetzt werden sollen."
Faymann lieferte zugleich eine Definition dessen, was er als Zusammenhalt in der Partei sieht: "Wenn ich geschlossen meine, dann meine ich immer über 80 Prozent." Die Regierung habe sehr viel an sozialen Leistungen geschaffen, nun gelte es, Konjunkturbelebungsmaßnahmen angesichts der noch nicht ganz überstandenen Wirtschaftskrise weiterzuführen. Derselben Meinung ist Pröll. Er resümierte ebenfalls positiv, nun müsse man aber auf europäischer Ebene Exit-Strategien vorbereiten, wie man aus den Staatsschulden ohne Konjunkturabriss herauskomme.
(apa/red)
